Meine Beziehung zu Eugen Roth
Vor über 35 Jahren bekam ich zum Geburtstag ein kleines rotes Büchlein mit Eugen Roths „Ein Mensch“-Gedichten geschenkt. Zuerst las ich amüsiert darin. Dann lernte ich einige Gedichte auswendig und trug, bei passender Gelegenheit, einige dieser „Sprachperlen“ vor. Dabei bemerkte ich, dass die Verse nicht nur das Ohr, sondern auch das Herz der Hörer erreichten, ja bisweilen, bei aller Heiterkeit, auch Nachdenklichkeit auslösten. Kurzum, das Büchlein wurde mein Vademekum, denn ich nahm es sowohl in den Urlaub als auch auf Reisen mit.

Im Laufe der Zeit vertiefte sich mein Interesse an diesen Gedichten. Ich hatte mittlerweile mein Abitur nachgemacht und studierte in München. Mehr und mehr fiel mir nun bei diesen Gedichten auf, welche Herausforderungen und Möglichkeiten sie boten, die Farbenpalette der Stimme zu erweitern, um die Stimmungen, die Charaktere und die Spannungselemente darzustellen. Nicht mehr, wie in der Schule, war es ausreichend, Zeile für Zeile zu rezitieren: Es mussten zwei, drei, ja sogar vier Zeilen auf einen Atem- bzw. Spannungsbogen gesprochen werden, weil sonst eine Szene zerrissen oder abgewürgt würde.
Als ich dann beim Bayerischen Rundfunk landete und in Moderationssendungen wie „Unterhaltung am Nachmittag“ oder „Musik für Nachschwärmer“ ab und zu einen Eugen Roth einstreute, merkte ich an der Reaktion des Publikums, dass diese heiter-hintergründigen Gedichte nicht nur meinem Geschmack entsprachen.

Nun setzte ich Eugen Roth, er war ja gelernter Journalist, auch vermehrt im Unterricht ein, wenn ich Seminare für Phonetik, Rhetorik und Kommunikation, meist für Nachwuchsjournalisten, hielt. Dabei versuchte ich bei der Textanalyse die Spannungselemente bei Eugen Roth herausarbeiten zu lassen, damit die angehenden Journalisten damit ihre eigenen Texte verbessern können.
C.B.

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